Wie der Panther zu uns kam

Auf einem alten Hof muss ein alter Traktor sein. Ja, natürlich, aber der eigentliche Grund, warum ein Eicher „Panther“ bei uns eingezogen ist, ist die Mitfahrmöglichkeit auf diesem Traktor. Unser eigentlicher Traktor, ein kleiner McCormick X2 hat keinen Beifahrersitz!

Ist der „Panther“ nunmal da, hat er auch gleich weitere Aufgaben „auf’s Auge“ gedrückt bekommen. So hat er sich mit einer Holzlade am vorderen Ende als praktisches Transportfahrzeug auf dem Hof etabliert, immerhin hat er 6PS weniger als unser Rasenmäher und ist sehr sparsam. Auch kann man mit ihm und seiner praktischen Gemüsehacke im Zwischenachsanbau schnell und „zwischendurch“ den Gemüseacker hacken. Die Hacke kann immer am Traktor verbleiben, sie stört nicht bei anderen Arbeiten.

Der Traktor kam in einem guten Zustand zu uns, nur sprang er sehr schlecht an. Da er im Winter zu uns kam, hatte ich genügend Zeit, den Motor auseinanderzunehmen, es standen ja keine dringenden Arbeiten an. Und so ein luftgekühlter Dieselmotor ist ideal, um sich in das Abendteuer zu stürzen. Vorsichtig, und überhaupt nicht sicher, ob ich jemals den Motor wieder zusammenbekommen würde, habe ich meine ersten Zylinderköpfe abgeschraubt! Welche ein Daram! Da hat sich auch schon das erste Problem gezeigt: Die Köpfe waren mit so einer Kraft festgeschraubt, dass die Unterlegscheiben unter den Hutmuttern zerbröselt waren. Unter dieser Kraft verformt sich der Zylinder, es könnte also gut sein, dass die Kolben nicht mehr richtig dichten, das ist aber nur eine Vermutung, ich habe es nie nachgemessen.

Eicher kopflos

Die Zylinder und die Kolben waren in einem guten Zustand, da konnte ich nicht meckern! Nun zu den Zylinderköpfen: Es hat sich gezeigt, dass das Ventilspiel zu gering war, die Einlassventile schlossen nicht mehr richtig, die Ventilflächen waren schon leicht ausgebrannt, der Ansaugstutzen war ölig. Aber die Ventile und die Sitze waren, abgesehen von den Ausbrennungen, in einem guten Zustand! Neues Einschleifen der Ventilsitze hat genügt.

Ein weiterer Punkt war die Kraftstoffanlage. Irgendwann wurde eine neue Förderpumpe eingebaut. Es war ein Nachbau, der so schlecht ausgeführt war, dass eines der drei Schraublöcher nicht erreichbar war, die Pumpe war nicht richtig festgeschraubt, das Motoröl lief unter der Pumpe heraus und hat den Motorblock verschmiert. Zum Glück hatte der Vorbesitzer die Orginalpumpe mitgegeben. Bei dieser musste ich lediglich die undicht gewordene Handpumpe austauschen, eine neue Dichtung unterlegen und die Pumpe wieder einbauen. Jetzt ist alles dicht!

Nach dem Zusammenbau der Zylinder und der Kraftstoffanlage kam der Moment des ersten Anlassens. Mit der Handpumpe vorgepumpt, die Kraftstoffleitungen entlüftet, die Einspritzdüsen festgeschraubt… und der Motor sprang nach zwei Umdrehungen des Anlassers an. Ging aber nach einigen Minuten einfach wieder aus. Irgendwie bekam er nicht genügend Kraftstoff… ein Blick in den bis dahin ignorierten Kraftstoffbehälter zeigte ein völlig verstopftes Grobsieb. Tank entleert, Tank abgebaut, Grobsieb betrachtet und erste Bekanntschaft mit der Dieselpest gemacht. Den Tank von innen gereinigt, das Sieb gereinigt und alles wieder zusammengebaut. Traktor lief!

Kartoffeln frisch gesetzt!

Nun habe ich den Diesel im Tank mit einem Biozied versetzt, um der Dieselpest Herr zu werden, und der Traktor ist ein zuverlässiger Helfer auf unserem Hof geworden.

So einen alten Eicher anzulassen ist einfach immer eine Freude! Welche Handgriffe da notwendig sind, bevor sich der Motor erwecken lässt! Handhebel auf Vollgas, den Abstellknopf herausziehen, die Zündung einschalten, den Mehrmengenknopf auf der Einspritzpumpe erst unter der Haube „erfühlen“ und dann drücken, 20x von Hand vorpumpen und dann kann man endlich den Anlassknopf drücken!

Wie der Panther das Hacken lernte

Der Panther ist der einzige Tragschlepper, den Eicher jemals gebaut hat. Tragschlepper bieten die Möglichkeit, ein Arbeitsgerät in der Mitte des Traktors anzubringen. Ist dieses Arbeitsgerät eine Gemüsehacke, kann man als Fahrer das Gerät während der Arbeit genau beobachten und die Fahrt korrigieren, so dass kein Gemüsepflänzchen der Hacke zum Opfer fällt. Im Internet habe ich kein einziges Bild gefunden, welches den Panther mit einem Zwischenachsgerät zeigt (der obligatorische Mähbalken ist eigentlich kein echtes Zwischenachsgerät). In einem Forum habe ich lediglich den Hinweis gefunden, dass Eicher nie ein Zwieschenachsgerät gebaut hat und es auch keinen anderen Hersteller gegeben hat.

Also: Selbstbau! Meinen Fähigkeiten entsprechend eine recht einfache Konstruktion. Ein Parallelogramm mit einem 1,30m breiten Quadratrohr (70x70mm), welches über einen Hubzylinder hydraulisch am Beetrand ausgehoben werden kann. Die Hacktiefe wird einfach über eine Kette eingestellt, da ich momentan keine Einzelparallelogramme für die Hackwerkzeuge vorgesehen habe, diese aber einbauen könnte!

Mit dieser Konfiguration kann ich zwei Kartoffelreihen häufeln oder zwei Gemüsereihen hacken.

Die Hackwerkzeuge werden über einfache Schellen und kräftige Recheckrohre befestigt und können frei auf dem Quadratrohr verschoben werden.

Nachbarschaftskaffee

„Ein guter Nachbar ist ein Schatz, der Gold und Silber aufwiegt.“ – Deutsches Sprichwort

Der historischen Beschreibung zufolge wird Karglöd als Einöde bezeichnet. Ein Einödhof ohne direkte Nachbarn ist unser Höfchen bis heute geblieben.

Als wir uns vor knapp drei Jahren in das Karglhöfchen verliebten und hierher zogen, kannten wir Niemanden. In Sichtweite auf der anderen Straßenseite drei neue gebaute Mietshäuser, im Anschluß ein klitzekleines Dörfchen, ohne Dorfkern, ohne Kramer, Kirche oder eine sonstige Möglichkeit, wo man sich mal über den Weg laufen könnte.

Nachdem unser Musik- und Seminarraum im Gästehaus fertig gestellt war, ein ca. 90 qm großer, gemütlicher Raum mit eigener Spülmaschine und eigenem WC, kam uns die Idee, über die Windertermonate ein Nachbarschaftskaffe zu initiieren. Jeder kann einfach kommen, Getränke werden von uns gestellt…

Im Dezember 2025 sollte es erstmalig losgehen und wir waren sehr gespannt, ob unsere Idee Anklang finden würde.

Von Dezember bis März öffneten wir an einem Sonntagnamittag pro Monat die Türen zu unserem Seminarraum und luden zum Nachbarschaftskaffee ein.

Wir durften mit unseren Nachbarn vergnügliche Stunden, ausgelassene Momente und gute Gespräche erleben, wir wurden verwöhnt mit selbstgebackenen Kuchen und Keksen und möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bei allen bedanken.

Heute sind wir vernetzt, Informationen gehen schnell von Haus zu Haus, man trifft sich auch ausserhalb des Nachbarschaftskaffes gerne mal.

Im Mai durfte sogar eine kleine Herde unserer Schwarznasen in die Sommerresidenz zu unseren Nachbarn ziehen und die Eier unserer Hühner werden gern von unseren Nachbarn gekauft.

Jetzt genießen wir den Sommer, aber wir freuen uns auch schon wieder sehr auf den November, wenn wir in unserem Seminarraum wieder alle herzlich begrüßen dürfen.